Der kleine Weiler Tazo
Zwischen den tief eingeschnittenen Barrancos und den bewaldeten Höhen des Nordens von La Gomera liegt Tazo – ein Weiler, den niemand zufällig entdeckt. Wer hier ankommt, hat sich bewusst auf den Weg gemacht: über schmale Straßen und Pisten, vorbei an Terrassenfeldern, alten Steinmauern und dem stetigen Blick auf den Atlantik. Tazo ist kein Ort des Durchgangs, sondern einer des Ankommens. Die wenigen Häuser, die zwischen 300 und 440 Höhenmetern liegen und in denen im Januar 2026 ca. 17 Einwohner leben, befinden sich verstreut an den bewachsenen und mit Palmen bestandenen Hängen. Alles wirkt ruhig, fast zeitlos.

Rund um den Weiler öffnet sich eine der ursprünglichsten Wanderlandschaften La Gomeras: alte Verbindungswege, steinige Pfade und überraschend grüne Einschnitte, in denen sich die Feuchtigkeit sammelt. Wer von Tazo aus zu Fuß unterwegs ist, erlebt die Insel in einer ursprünglichen Form. Die Umgebung erzählt von Landwirtschaft, Isolation und Anpassung – und genau darin liegt ihr Reiz. Tazo ist kein Ziel für Eilige, sondern ein stiller Ausgangspunkt für Wanderungen, die mehr mit Wahrnehmung als mit Kilometern zu tun haben. Durch das an einigen Tagen vorherrschende Regenwetter wurden unsere Wandermöglichkeiten ein wenig reduziert, so dass wir Tazo und unsere wunderschöne Unterkunft im Casa Rural Hyggeland ausgiebig genießen konnten.

Rundwanderung Tazo – Epina – Alojera
Daher startet diese Wanderung natürlich auch in Tazo. Da es eine Rundwanderung ist, kannst du sie auch von jedem anderen Ort der Runde (zum Beispiel Alojera oder Epina ) beginnen. Du wanderst von Tazo hinauf zum Fernwanderweg GR-132. Diesem folgst du eine Weile durch einige Schluchten im auf und ab Richtung Epina. Dort angekommen, kannst du den bekannten Quellen, den Chorros de Epina, einen Besuch abstatten. Danach wanderst du einige Zeit durch den Nebelwald.
Dann geht es zunächst durch den Wald und später über Wiesen und Buschflächen mit herrlichen Blicken auf die umliegende Landschaft und den Atlantik hinunter Richtung Alojera. Dort wanderst du dann über einen Grat mit fantastischen Aussichten an vielen Wasseranlagen und Alojera vorbei. Schließlich gelangst du auf den Verbindungsweg zwischen Tazo und Alojera. Diesem folgst du dann durch einige Schluchten bergauf zurück nach Tazo.

Allgemeine Informationen zur Rundwanderung Tazo
Startpunkt und Anfahrt
Startpunkt der Wanderung ist in Tazo. Wir sind bei unserer Unterkunft Casa Rural Hyggeland von Tazo gestartet. Falls du auch in Tazo starten willst, kannst du auf verschiedenen Wegen zu den höchstgelegene Häusern von Tazo gelangen und dort die Wanderung beginnen. Ansonsten kannst du die Wanderung auch gut von Epina oder Alojera aus anfangen.
Anfahrt mit dem Pkw
Du fährst von San Sebastian auf der GM-3 Richtung Valle Gran Rey. Noch vor dem Valle Gran Rey kommt ein Kreisel, an dem es nach Vallehermoso abgeht. Die Ausfahrt nimmst du. Du folgst eine ganze Zeit der GM-1. Auf der linken Seite fährst du schließlich am Restaurant Epina vorbei. Kurz danach nimmst du erst die Ausfahrt Alojera/Tagaluche (CV-16) und kurz danach rechts die Ausfahrt auf eine kleine Straße Richtung Tazo/Arguamul. Diese schöne Panoramastraße nach Tazo wurde erst nach 2020 befestigt. Sechs Kilometer geht es hinab zum Weiler Tazo, in dem du möglicherweise auch wie wir, über eine Piste deine Unterkunft finden wirst.
Anfahrt mit dem Bus
Busse fahren nicht nach Tazo. Allgemeine Informationen über mögliche Busstrecken auf La Gomera findest du hier.
Zeit
Ich gebe ungern allgemeine Zeitangaben für Wandertouren, da die Zeiten doch sehr individuell sind. Wir haben für diese Runde mit Pausen etwas über 5 Stunden benötigt.

Höhenunterschied und Streckenlänge
Die Höhendifferenz beträgt ca. 840 Meter und die Strecke ist knapp 14 Kilometer lang.
Anforderung
Auf der gesamten Runde gehst du auf guten Wander- oder Fahrwegen. Als wir im Januar 2026 vor Ort fahren, waren die Wanderwege allerdings vom Regen sehr aufgeweicht und an einigen Stellen auch ein wenig abgerutscht und schlammig.
Einkehr
Einkehrmöglichkeiten findest du auf der gesamten Wanderrunde nicht. Es sei denn du machst einen Abstecher zum nahe der Route gelegenen Restaurant Epina oder nach Alojera. Daher bitte auf jeden Fall ausreichend Wasser und ggf. Verpflegung mitnehmen.

Varianten
Diese Wanderung grenzt an einige Wanderungen an, die ich in dieser wunderschönen Gegend noch demnächst auf SiebenInseln vorstellen werde. Ein kleiner Teil dieser Wanderung verläuft auf dem Fernwanderweg GR-132, auf dem du um die gesamte Insel La Gomera wandern kannst. Die einzelnen Etappen zum Fernwanderweg GR-132 findest du hier:
1.0 San Sebastian- Hermigua – ca. 26 Kilometer
2.0 Hermigua – Vallehermoso – ca. 19 Kilometer
4.0 Alojera – Valle Gran Rey – zusammen ca. 22 Kilometer (3 und 4)
5.0 Valle Gran Rey – La Dama – ca. 18 Kilometer
6.0 und 7.0 La Dama – Alajeró – Playa de Santiago – ca. 23 Kilometer (6 und 7)
8.0 Playa de Santiago – San Sebastian – ca. 23 Kilometer

Rundwanderung Tazo
Streckenabschnitt Tazo bis Epina
Du startest deine Rundwanderung im Weiler Tazo. Die Calle Tazo verbindet als Piste die oberen mit den unteren Häusern. An der Stelle, an der das höchst gelegene Haus von Tazo liegt, zweigt ein Weg von der Calle Tazo bergaufwärts ab. Der Fahrweg bringt dich über die höchst gelegenen Häuser von Tazo hinaus. Dann geht er sehr schnell in einen schmaleren Wanderweg über. Auf einem Gratweg zwischen zwei kleinen Schluchten bringt dich der Weg hoch zum Fernwanderweg GR-132. Dieser ist wie alle Fernwanderwege rot weiß markiert.

Diesem Fernwanderweg folgst du nun rechts herum. Als wir ihn gingen, war es dort sehr nass und durch hängende Wolken war uns leider auch häufig die Sicht versperrt. Doch an wolkenfreien Tagen, kannst du von dem Weg wunderschöne Aussichten über das gesamte Tal und Tazo bis zum Atlantik genießen. Du wanderst durch mehrere Schluchten, überquerst Grate und wanderst dann wieder in die nächste Schlucht hinein. Über dir siehst du bereits die Höhenzüge und den Nebelwald über Epina liegen. Nach vier größeren Schluchtquerungen gelangst du auf den Wanderweg oberhalb von Epina.
Streckenabschnitt Epina über Chorros de Epina bis zu einem Wasserreservoir
Auf dem GR-132 umquerst du das Dorf Epina und wanderst dabei auch an alten Ruinen vorbei. Rechts herunter führt ein Abzweig zum Dorf. Du steigst jedoch nun auf steilen Stufen weiter bergauf. Dann gelangst du an die Straße CV-16, die du überquerst. Ein schmaler steiler Weg führt dich in den Nebelwald weiter bergauf. Nun weist ein Schild nach rechts zu den Chorros de Epina. Hier kannst du an den sieben Heilquellen aus Heideholz nicht nur deine Wasservorräte auffüllen. Der Sage nach hat das Wasser heilende Eigenschaften. So schickten in der Vergangenheit wohlhabenden Familien von Vallehermoso ihre Dienstmädchen nach Epina (ein Tagesmarsch), um Wasser aus dieser Quelle zu holen. Um sicherzugehen, dass es sich wirklich um das Wasser von Los Chorros de Epina handelte, mussten sie ein Blatt des Aderno Baumes ,der nur in der Nähe dieser Quelle wächst, mitbringen.

Du wanderst noch ein wenig weiter bergauf und gelangst nach kurzer Zeit zur Ermita de San Isidro Labrador. An dieser Stelle vereinen sich die zwei verschiedenen Teile des Fernwanderweges Gr-132 zwischen Vallehermoso und Alojera. Hinter der Ermita führt der Wanderweg weiter durch den dichten Wald bergab. Dann wendet sich der Weg bei einem großen Wasserreservoir nach Westen und der Wald lichtet sich langsam. So kannst du vermehrt herrliche Ausblicke über das weite Tal von Alojera bis zum Atlantik und zur Nachbarinsel El Hierro genießen.

Streckenabschnitt Wasserreservoir bis Gratweg Los Llanos
Jetzt folgt ein langer Abstieg, der dich zwischen Feldern und Gebüsch auf dem Wanderweg hinab Richtung Alojera bringt. Dabei kreuzt du vier Mal die CV-16. Der Wanderweg setzt sich jeweils auf der anderen Seite der Straße weiter fort. Schließlich führt der Wanderweg nach der vierten Querung zwischen Straße und einem Haus entlang und setzt sich links neben Wasserbecken bergab fort. Wenn du dann wieder in einer Rechtskurve auf die CV-16 triffst, zweigt der GR-132 links bergab nach Alojera.

Du wanderst jedoch auf einem kleinen schmalen Weg weiter gerade bergab. Dabei querst du noch weitere drei Mal die CV-16. Danach befindest du dich oberhalb der leeren großen Embalse de Alojera. Der Wanderweg führt dich gerade weiter bergab und auf einem Fahrweg links an der Embalse vorbei. Auf dem Fahrweg Los Llanos wanderst du immer weiter geradeaus bergab. Dabei kannst du schöne Ausblicke auf die terrassierten Felder und auf Alojera und seine Umgebung werfen, die sich uns im Januar 2026 wegen dem Regen wunderschön grün präsentierte.

Streckenabschnitt Gratweg Los Llanos bis Tazo
Du ignorierst rechts abzweigende Wege, da diese nunmehr über Privatland führen (früher teilweise noch als Wanderwege in den Karten aufgeführt). Schließlich macht der Weg noch eine große Serpentine nach links und mündet dann nach einer kleinen Schluchtquerung in eine Kreuzung ein. Von links nach rechts verläuft dort die Carretera Alojera – Tazo. Dieser folgst du rechts herum. Die Straße geht sehr schnell in eine Piste über, der du in einem Bogen um den Barranco del Mono folgst. Auf der Piste, die sich in großen Serpentinen im weiteren Verlauf um den Barranco de Tazo herum windet, kannst du den Weg nicht verfehlen.

Wer es etwas spannender mag, kann auch links neben der Montaña Retarmar links von der Piste zu einem kleinen Weiler hinab wandern und von dort einem Wanderweg aufwärts im Barranco de Tazo folgen. Der Wanderweg führt auf wechselnden Schluchtseiten aufwärts Richtung dem Weiler Cubaba und dann weiter nach Tazo. Als ich dort war und es sehr geregnet hatte, hörte ich von anderen Wanderern, dass der Wanderweg nicht begehbar sei, da es wohl an einigen Stellen Erdrutsche gegeben habe. Wir haben ihn nicht ausprobiert, so dass ich dazu nichts weiter sagen kann. Wenn auch die Piste auf Dauer ein wenig langweilig erscheinen mag, ich selber habe den Weg auf dieser bergauf nach Tazo sehr genossen. An einer Gabelung führt rechts eine andere Piste nach Cubaba. Du hältst dich jedoch links herum.

Nach einem weiteren Anstieg, führt rechts ein kleiner Weg steil bergauf zurück nach Tazo. Je nachdem wo du wohnst, bist du dann sehr schnell in der Ortsmitte zurück. Für uns und alle, die die Wanderung von einem anderen Ort gestartet sind, geht es weiter rechts am Ort vorbei bergauf. Du erreichst schließlich die Calle Tazo, der du weiter geradeaus hoch folgst. Entweder gehst du mit der weiten Pisten eine große Serpentine aus oder folgst in einer Rechtskurve links einem kleinen Weg in einer Schlucht bergauf. Beide Varianten bringen dich in einem letzten kleinen Aufstieg zurück zum Ausgangsort deiner Wanderung.

Und zum Schluss
Ich hoffe, dass dir diese abwechslungsreiche Wanderung im „wilden“ Westen von Gomera um Tazo gefallen hat. Demnächst folgen noch weitere Wanderungen in dieser beeindruckenden Gegend. Für welche Wanderung du dich auch entscheidest, ich wünsche dir viel Freude auf allen deine Wanderwegen,
Dagmar von SiebenInseln

